Schnittmusterbeschreibung – Basisschnitt weite Hose

Ich dokumentiere hier die Nähschritte die für mich bim Nähen dieser Hose / dieses Schnittes besonders waren und nicht oder zumindest so nicht in Hosenanleitungen stehen. Eine Anleitung zum normalen Hosennähen ist diese Beschreibung nicht. Fals es überraschenderweise Interesse gibt eine genaue Nähanleitung zu sehen, so werde ich das bei der nächsten Hosenproduktion nachholen.

2. Hose
Probehose

Beschreibung:

Die Hose sitzt knapp unter der Taille, hat weite gerade Bein und eine nach vorne gelegte Seitennaht in die zwei Seitentaschen eingearbeitet sind. Es gibt keinen Hosenbund sondern einen von innen angenähten Beleg in der Art eines Formbundes.
Größen:
Durch die Veränderungen läßt sich das nicht genau sagen, vermutlich so um Größe 46
Sieht das genähte Kleidungsstück wie geplant?
Die Hose ist jetzt so wie ich sie wollte. Sie nimmt verschiedene positive Details meiner gekauften Hosen auf.
Was möchte ich besonders  an dem Schnittmuster?
Ich liebe die weiten Beine die die Hose so bequem und doch auch für offizielle Gelegenheiten brauchbar machen. Die tiefen Taschen vorne auf Hüften und Oberschenkeln sind sehr geeignet um die Hände entspannt hineinzustecken und auch kleine Sachen wie Lippenstifte, Schlüssel für Dozentenzimmer, etwas Kleingeld und ähnliches aufzubewahren ohne das sie ausbeulen. 

Verwendeter Stoff:

Ich habe einen leicht glänzenden Anzugstoff vom Markt verarbeitet. Neben verschiedenen beigen und mittel- und dunkelbraunen Fasern ist auch ein mittelblauer Faden eingewebt. Der Stoff scheint überwiegend aus Wolle zu bestehen, das verrät die Brennprobe.Der schwarze Stoff der tragbaren Probehose besteht auch aus Wolle und hat zwischen den schmalen Streifen ein Fischgrätmuster.

 

 

 

 

 

Verarbeitungsschritte:

Vorarbeiten:

Auf der Basis eines üblichen Hosenschnitts, hier Burdaeinzelschnitt 8087, habe ich zwei Probehosen aus Baumwollstoff genäht und Hüfte, Schritt und Schrittbogen angepasst. Alle Veränderungen wurden auf dem Schnittmuster notiert und an Ende habe ich einen neuen sauberen Folienschnitt erstellt.

Nachdem die Hose zu meiner Zufriedenheit gesessen hat, habe ich aus Hosenstoff aus Wolle eine erste tragbare Probehose genäht. Diese Hose hat schon einen inneren Formbund bekommen. Weil ich auch da schon Taschen vorne auf der Hüfte wollte, habe ich Pattentaschen eingenäht. Hier ist diese Hose vorgestellt worden.

Schnittmustermodifikation:

Schere zeigt auf Seitennaht
Schere zeigt auf Seitennaht

Jetzt hatte ich eine Hose mit der gewünschten Taillenlösung die gut sitzt. Der nächste Schritt war die Vorverlegung der Seitennaht. Dazu habe ich das Schnittmuster erneut auf Folie kopiert und das hintere Hosenteil an der äußeren Seitennaht um 10 cm verbreitert. Das vordere Hosenteil wurde an der Seitennaht um diese 10 cm schmaler gezeichnet. Um die Hüftkurve habe ich mich zunächst nicht gekümmert. Hüfte und Taille haben bei mir keine riesigen Unterschiede und den Fehlbetrag der Hüftkurve habe ich  beim ersten Anpassen der Hose in zwei Abnähern untergebracht. Dieser Schritt ist nicht dokumentiert.
Der Folienschnitt wurde mit 1,5 cm Nahtzugabe versehen. Dieses ist jetzt mein fertiger Hosenschnitt.

Fertigung der Hose:

Versäubern
Der Schnitt wurde wie üblich ausgeschnitten und sofort mit der Overlock versäubert.

Vorderes Teil
Hinteres Teil

Vorbereitung der Nahttaschen
An die vorderen und hinteren Teile der Hose wurde jeweils ein Taschenbeutel aus Nessel angenäht.  Der vordere Taschenbeutel ist am Eingriff mit aufgebügelter Einlage verstärkt, der hintere Taschenbeutel hat einen großen Flicken aus Hosenstoff damit der Eingriff schöner aussieht.
Die Taschenbeutel werden vorne beim Reißverschluss angenäht. So sitzen Taschen besser.
verbreiterter Untertritt

 Vorderer Schlitz

Bei der schwarzen Probehose habe ich noch ein Taillenband in die Hose genäht weil ich meiner bundlosen Taillenkonstruktion nicht ganz getraut habe. Sie ist aber gut und kann so bleiben, das Taillenband ist nicht erforderlich. Allerdings sichere ich den Reißverschluss mit einem Knopf indem ich den oberen Teil des Untertritts des Reißverschlussen verbreitere und mit einem Knopfloch versehe. An der anderen Seite der Hose wird dann der Knopf angenäht. Theoretisch läßt sich das schlecht erklären. Die Fotos verdeutlichen diese Anatomie dieses Teils der Hose hoffentlich besser.
Alle weiteren Schritte zum Einnähen eines Reißverschlusses mit Untertritt sind ganz normal und genauer finden sie sich in jedem guten Nähbuch. Der Steg mit den Knopf hinter dem Reißverschluss erhöht den Tragekomfort sehr. Ich überlege schon ihn bei gekauften Hosen nachzurüsten.Futter:

Das Füttern der Hosen erhöht den Komfort ebenso und es macht die Hosen wintertauglich. Hier wurde das Futter genauso wie die Hose zugeschnitten, allerdings natürlich ohne die Taschenkonstruktion. Oben ist das Futter an den Taillenbeleg angesetzt worden. Auch  hier zwei Fotos von der Außen- und der Innensicht.

Aussen
Innen

Der innere Beleg ist mit aufgebügelter Einlage verstärkt worden. Die Naht in der Taille wurde mit einem Nahtband gegen ausleiern verstärkt. Die Fotos von diesen Schritten waren so nichtssagend, ich habe deshalb darauf verzichtet.
Bei dieser Hose habe ich noch Hosenaufschläge gearbeitet.

Hier noch ein paar weitere Fotos von der fertigen Hose:

Welche Unterstützungen und Tutorials habe ich genützt:

Ich habe verschiedene Hilfen gesucht und gefunden. Da waren zunächst mal meine Nähbücher. Für die Untertrittkonstuktion findet sich hier eine Hilfe. Innerhalb des letzten Jahres sind in der amerikanischen Nähzeitschrift Threads verschiedene hilfreiche Artikel zum Hosennähen veröffentlicht worden. Und, besonders hilfreich, ich habe eine meiner kaputten Lieblingshosen auseinander geschnitten und die Konstruktion studiert.

Würdest ich das Schnittmuster nochmals nähen?

Diesen Hosenschnitt werde ich wieder und wieder verwenden.

Fazit:
Ich bin glücklich das es mir gelungen ist diesen Schnitt zu konstruieren.

13 Gedanken zu „Schnittmusterbeschreibung – Basisschnitt weite Hose

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  9. Renisa

    Also ich bin absolut begeistert darüber, wie viel Aufwand Du Dir mit der Dokumentation Deines Vorgehens betreibst! Die vielen Detail Fotos und Einzelbeschreibungen sind absolut spitze! Ich profitiere sehr von solchen Beschreibungen, ich weiß noch genau, als ich das erste Mal einen Hosenschlitz genäht habe und ewig gebraucht habe, um zu verstehen wie das jetzt genau gemeint ist! Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir damit machst, ich bin sicher, das ist für viele Näherinnen sehr hilfreich! Und jetzt bin ich noch ganz gespannt darauf, das Modell an der Frau zu sehen 😉
    Liebe Grüße!

    Antworten
    1. Renisa

      hmmm, vor dem Abdrücken sollte man doch immer noch mal durchlesen. Ich meinte wieviel Arbeit Du Dir machst bzw. wieviel Aufwand Du betreibst, und konnte mich dann doch nicht gleich für eine der beiden Formulierungen entscheiden… das kommt dann eben dabei raus!

      Antworten
    2. mema

      Liebe Renisa,
      danke für dein Lob. Ich bin so ausführlich weil der Blog auch meine eigene Dokumentation ist. Die Beschreibeung und die Fotos helfen mir beim nächsten Mal. Ich reflektiere noch mal mein Tun.
      Außerdem möchte ich gerne Know-how zurückgeben. Ich habe so viel aus anderen Blogs gelernt. Und oben (und Montag beim ersen SWAP Meilenstein) siehst du auch Bilder an der Frau.
      Gruß Mema

      Antworten
  10. immi

    Obwoh du noch kein ‚Bild an der Frau‘ abschließend hochgeladen hast, bin ich jetzt schon neidisch! Das Foto unten rechts in der Porbehosen-Collage lässt ahnen, dass sie wirklich sehr gut ist in der Passform. Auch bei der Vorderansicht der fertigen Hose (ein paar Posts zuvor gezeigt) finde ich, dass das Bein so sehr schön rund fällt – das könnte an der vorverlegten Seitennaht liegen.
    Das mit der Vorverlegung der Seitennaht (die 10cm )hast du abgeglichen mit einem Fertigschnitt der so ist, oder? Gut finde ich auch, dass du erwähnst, dass ein Hosenfutter den Komfort einer solchen Hose erhöht! Das stimmt auf jeden Fall!

    Und dein Fazit am Ende des Posts ist das Beste: Gratulation!!! 😀

    Liebe Grüße
    Immi

    Antworten
    1. mema

      Liebe Immi, der Fall der Beine hat nichts mit dem Vorverlegen der Seitennaht zu tun. Verglichen mit deinen Hosen sind es hier ganz gerade Beine. Es hat also, glaube ich, mit dem Schnitt zutun. Ich habe von dir gelernt; ohne deine geposteten Erfahrungen hätte ich z.B. nie so sorgfältig auf den Fadenlauf geachtet.
      Bei der Verlegung der Seitennaht habe ich mich an meiner Lieblingshose orientiert und als Maß die Spanne von mittlerer Vordernaht und Tascheneingriff genommen. Meine Wollhosen weiten sich beim Tragen und ich lasse mir offen an den Seitennähten noch einen Abnäher einzunähen wenn es zu doll wird.
      Gruß Mema

      Antworten

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