Archiv des Autors: Mema

„russischer“ Rock

Beim Nachdenken darüber, was ich mit meinen beiden grünlastigen Bouclestoffen (links im Foto) denn konkret anstellen könnte, poppte bei Instagram @Patterneasy, eine russische Seite, auf. Da fand ich zwei Modelle die mich sofort begeistert haben.

Aus dem grün-schwarzen Stoff könnte ein Hängerchen mit Fransen werden, alternativ denke ich über diesen Burdaschnitt nach. Ripsband ist schon da.

Für den grün-bunten Stoff gefiel mir dieses Rockmodell. Konstruktionshinweise wurden gleich mitgeliefert, so dass es mir leicht fiel ihn aus meinem Basisrockschnittmuster (ähnlich wie hier) zu entwickeln. Die Konstruktionshinweise sind auf russisch! Die eingebetteten Skizzen haben mir aber fürs Verstehen ausgereicht.

Der Rock hat, wie bei mir üblich, einen sehr langen Schlitz hinten. Für den Taillenbund habe ich Ripsband verwendet, oben angenäht und unten nur an wenigen Stellen angeheftet. Ich bin sehr überrascht, wie bequem und flexibel sich das anfühlt. Hinter dem Reißverschluss ist es mit einem Rockhaken gesichert.

Da ich keine sichtbaren Absteppungen wollte, in dem Stoff sind sie auch kaum sichtbar, sind die Taschenreissverschlusse unsichtbar von Hand eingenäht und auch der Saum ist von Hand angenäht. Damit alles nicht so dick aufträgt ist schnell noch ein Schrägband an den Saum angenäht worden.

Der Rock geht im „Winter“, wie heute mit dicker Strumpfhose, aber sicher auch im Frühjahr wie am nächsten Wochenende.
Ich bin sehr gespannt was heute beim monatlichen Laufsteg der MMM-Kolleginnen gezeigt wird, Frühling- oder noch Wintermode?

Oder wird Bezug genommen auf die Seuche. So nennt meine 91 Jahre alte Mutter die aktuelle Infektionskrankheit. Sie liest hier immer mit und informiert sich so über meine neuen Kleidungsstücke. Herzlichen Gruß an dich Mutter. Bleib gesund.

Dicke Socken und Fußcreme

Ein Winterprojekt ist beendet. Ich habe ein Sortiment dicker Socken gestrickt. Das Strickmuster von @Paulastrickt BASICSocken ist überall (Etsy Ravelry, Makerist) zu haben.

Nadelstärke 4, Wolle Lauflänge 100 Meter auf 50g, 100g pro Paar habe ich verbraucht. Am Strickmuster ist nichts auszusetzen. Auf Anfänger und Anfängerinnen kommen damit prima zurecht. Für die schwierigeren Teile, den Anschlag und die Schrägnahtferse sind Videos verlinkt.


Mir hat besonders der italienische Anschlag gefallen.


Dicke Socken brauche ich das ganze Jahr. Ich creme meine Füße ein, ziehe ein Paar Sneakersocken an und darüber dicke Wollsocken. Nach einiger Zeit sind meine Füsse wieder weich und geschmeidig.

Heute habe ich auch noch die Fußcreme selber gemacht. Meine Bienen haben ja Wachs mit etwas braunem Propolis produziert. Das war die Basis. Jetzt noch Jojobaöl, Sheabutter und etwas Aromaöl dazu, im Wasserbad alles schmelzen lassen und in alte Cremedosen abfüllen. Fertig

Ich nenne die Creme M+M denn mein Bruder Matthias und meine Schwägerin Margret mögen diese Rezeptur und haben mich darauf aufmerksam gemacht. Im Ursprung kommt sie aber von Amelie Kowalski und war eigentlich als Lippenbalsam gedacht.

Die Sache mit der chaneligen Jacke

2011/12 habe ich mit nichtbloggenden Nähfreundinnen in Bielefeld Jacken im Chanelstil genäht. Gabriella Chanel hat in den 50er Jahren bestimmte Prinzipien benützt um bequeme, alltagstaugliche Jacken herzustellen die das Gegenteil der damaligen Mode waren. Bis heute gibt es diese Jacken. Die haben wir uns zum Vorbild genommen.

2011 hatte ich mich gerade übers Internet in die Welt der Näherinnen eingelesen und war absolut beeindruckt von den Möglichkeiten für sich selbst hochwertige Kleidung zu nähen. Fasziniert war ich auch von den vielen Frauen, die für sich so bequeme, alltagstaugliche Jacken „wie von Chanel“ nähten. Es gab und gibt darüber so viele Anleitungen und Erfahrungsberichte. Die verwendeten Techniken waren so spannend. Nie hatte ich darüber gehört das:
enge Ärmel mit hohem Armloch besonders bequem sein sollten und
Ketten am Saum von Kleidung eine sinnvolle, bemerkbare Funktion hätten, das Jackenfutter und Oberstoff mit regelmäßigen Nähten verbunden zu einem besonderen Tragegefühl führen sollten (heute würde ich das quilten nennen) usw.

Leider sind viele dieser Jacken in meinen Augen nicht besonders schön. Wahl von Stoff und Dekoration entsprechen nicht dem was ich gerne trage. 2011 ist es mir aber gut gelungen meine Ansprüche an das Aussehen mit der Übernahme von chaneligen Techniken zu verbinden. Ich bin übrigens ganz sicher, das G. Chanel auch nur auf den Schultern anderer Schneider und Schneiderinnen stehen ihre unverwechselbaren Jacke und Kostüme entworfen hat.

Meine alte Jacke (hier die Beschreibung der Herstellung) ist aus reinem, etwas dickem Wollstoff mit Wildlederkanten abgesetzt und einem Reißverschluss. Die Taschen sind auf die Größe meines Geldbeutels und meines Handys abgestimmt. Als Futter habe ich irgendwas aus der Stoffrestetruhe genommen. Die Ärmel haben glänzenden Futterstoff bekommen, der Jackenkörper besteht aus einem anderen, matteren Stoff. Ich denke heute, dass es Inlettstoff (Stoff für Federkissen, dicht gewebt damit die Kiele der Federn nicht durchstoßen) ist. Hier ein Glücksgriff denn die Jacke ist weich und bequem aber überraschend winddicht. Beim Zusammennähen des Futters mit der Hand hatte ich deshalb aber Mühe. Die Kette für den Saum habe ich in der Badabteilung des Baumarktes bekommen. Das Schnittmuster für die Jacke ist Simplicity 2284/7505, jetzt vergriffen.

Meine erste Jacke von 2011 hat im Kleiderschrank überlebt. Sie wird immer noch getragen und besonders im Frühjahr liebe ich sie sehr. Allerdings ist sie etwas in die Jahre gekommen und schon länger habe ich den Wunsch eine weitere zu nähen. Stoff dazu liegt schon lange hier.

Anfang des Jahres, während des Sturmtiefs, Sabine standete Tily von Frl.-Ideal bei mir in Bielefeld und bei einem gemeinsamen Mittagsimbiss verabredeten wir eine Aktion. Wir nähen jetzt jeder eine Chaneljacke!! Beide haben wir schon länger Stoff und an Schnittmustern und Informationen über die Herstellung herrscht auch kein Mangel.

Ich könnte auf meinem alten Schnitt (perfekt angepasst) zurückgreifen aber das ist ja langweilig. Jetzt werde ich Vogue 8804, einen Claire Shaeffer Schnitt nehmen. Die erste Gewinnerin des Great British Sewing Bee, Ann Rowley, hat diese Jacke schon mal genäht und eine hilfreiche Fotofolge auf Flickr hinterlassen.

Los gehts!!

Grün in den Frühling

Bislang war der Inhalt meines Kleiderschranks weitestgehend frei von grünen Kleidungsstücken. Das wird sich jetzt schnell ändern. Im letzten Sommer haben mir meine Nähfreundinnen grüne und graue Wolle geschenkt um damit am Westknits Mystery Shawl KAL 2019 teilnehmen zu können. Das Strickmuster heißt Starflake. Eine in mehrfacher Hinsicht interessante Herausforderung: Neben der für mich ungewöhnlichen Farbe grün wird ein zentraler Teil des Tuches in mehrfabigem Patent mit verschiedenen Zu- und Abnahmen gestrickt. Patent kann ich, mehrfabiges Patent geht so gerade noch wenn ich beim stricken konzentriert bleibe aber wenn es dann um Zu- und Abnahmen geht …………………

Nach verschiedenen Versuchen und Ribbelorgien habe ich jetzt ein Probeteil (Clockwork, auch von Stephen West) auf der Nadel. Zweifarbiges Patent und regelmäßige, nicht ganz so komplizierte Zunahmen. Keine Abnahmen!

Ich werde diese Herausforderung meistern und wenn es 2 Jahre dauert.

Beim Stricken kreisten meine Gedanken natürlich auch um das fertige Teil und wozu ich es wohl tragen könnte (und schon wieder ein Fehler im Strickteil!) Schwarz geht, grau geht aber etwas mehr Variation hätte ich schon gerne. Ich habe also meinen Stoffschrank inspiziert und alle grünen Stoffe herausgeholt und zusätzlich noch ein paar Schnäppchen getätigt.

Zwei Hemden/Blusen habe ich genäht.
Bewährter Schnitt und gut angepasst:
Hermes (Schnittmusterbesprechung) von Iam

Und dann noch einen dünnen Pulli LB von Paper Theorie Patterns

Am Ende gab es noch ein Wintershirt nach meinem vor langer Zeit angepassten T-Shirt Schnitt. Hier werde ich wohl den Ausschnitt noch etwas erweitern.

Da gibt es noch einige Stoffe auf dem Stapel im Nähzimmer:

Für diesen Stoff plane ich einen Rock mit dekorativem Reißverschluss. Eine der russischen Seiten hat mir dafür die Inspiration geliefert. Den Schnitt werde ich aus meinem Basisschnitt für Röcke entwickeln.

Und für diesen Stoff plane ich ein Osterkleid.

Mein Tweedkleid, entstanden bei einem Sew Along, organisiert von Yvonne und Monika im September 17, trage ich sehr gerne. Dieses Grüne hier soll etwas einfacher geschnitten sein, ehr ein Hängerchen mit aufgesetzten Taschen. Auch da habe ich mich noch für keinen Schnitt entschieden. Das Cielo Dress von Closet Case kommt meinen Vorstellungen schon nahe.

Und dann ist da noch der Plan gemeinsam mit anderen noch eine chanelige Jacke zu nähen. Aber davon ein anderes Mal.

Upcycling – Olya Shirt / Paper Theory

vom alten Leinenbettlaken zum Hemd

In die Aussteuer habe ich eine größere Menge Bettlaken aus weißem Leinen bekommen. Manche verwende ich als Gardinen oder Tischdecken für die Biergarnituren bei unseren Sommerfesten, einige habe ich schon vor sehr langer Zeit zusammengenäht und sie werden als Laken und dünne Sommerbettdecken verwendet. Ganz allmählich werden diese in der Mitte dünn und neulich ist ein Laken sogar gerissen! Ich liebe diesen seit Jahrzehnten genützten und hunderte Male gewaschenen Stoff. Also habe ich ein Hemd für mich aus den Resten genäht.

Olya (Schnittmusterbeschreibung) ist ein Schnitt von Paper Theory mit einer besonderen Ärmellösung:

Interessant zu nähen, gut zu tragen und für diesen etwas derben Leinenstoff sehr geeignet. Und weil es sich um Bettlakenstoff handelt habe ich mich auf die Suche nach alten / uralten Wäscheknöpfe gemacht. Ich habe im Knopfkasten noch solche die etwas angerostet sind. Neu konnte ich sie aber auch noch kaufen:

Das sind Zwirnknöpfe. Es gibt Handwerkerinnen die diese alte Kunst der Knöpfeproduktion wiederentdeckt haben und wunderbare Sachen damit machen.

Vor einiger Zeit habe ich den Olya Schnitt schon mal genäht, aus härtlicher Wildseide. Das klingt luxuriöser als es ist. Der Stoff kratzt und hat bei den ersten Wäschen gestunken, wegen des Seidenleims. Oben auf dem Bild mit der technischen Zeichnung sieht man ein kleines Stück des Seidenstoffs. Der Schnitt selber hat mir aber gut gefallen. Jetzt könnte der Frühling kommen damit ich das Hemd nicht mehr unter Jacken verstechen muss.