Archiv der Kategorie: Basisschnitt

MMM – der Harrisrock und seine Geschichte

Heute trage ich einen Rock aus mittelblauem Fischgrättweed, einen dunkelblauen Pulli und, draußen, die dunkelblaue Wollwalkjacke aus der“ Selbstnäh-Saison 2010″ sowie den bunten Wollschal der 2014 ein Weihnachtsgeschenk meiner wunderbaren Tochter war.

Hier läßt sich lesen was heute die anderen Schneiderinnen gefertigt haben.

Dieser Rock hat ein aufregende Vorgeschichte:MMM Harrisrock blaue WalkjackeMMM Harrisrock

Zu meinem 60 sten Geburtstag haben mir schottische Freunde ein Stück Harristweed geschenkt. Schon die Auswahl der Farbe und des Designs war aufregend. Grau, Rot, Grün – Hellblau? Dogtooth, Barley Twist, Herringbone? Manchmal, wenn ich mir etwas aussuchen soll von dem ich weiß, dass es mich lange begleiten wird, habe ich schwerwiegende Entscheidungsprobleme………  Am Ende ist der Stoff ein Herringbone in mittelblau geworden. Und dann ging es weiter mit den Entscheidungen. Ein Rock sollte es werden. Mit einer passenden Jacke in einer kontrastierenden Farbe?  Ein etwas Vintage angehauchtes Teil?

Gut gefallen hat mir ein Schnittmuster, vermutlich aus dem Jahr 1961 von Advance. Ich hab es bestellt und so die amerikanische Bishop Method kennengelernt und über Edna Bryte Bishop gelesen und mir dann auch ihre Bücher besorgt. Will jemand etwas über Bishop lesen?

Bishop Schnittmuster Bishop Schnittmuster 2

 

Bei Fashion for Designers  im Rahmen des  Köln/Bielefeldtreffens habe ich dann zwei passende Stoffe für Jacke (dunkelblau oben auf dem Foto)  und Futter (mit eingewebtem Edelweiß) gekauft, nur um dann festzustellen, dass der Rockstoff für den Rock Advance 9890 mit zwei Taschen vorne nicht reichen wird.

Planänderung!

Jackenstoff für Harrisrock

Jetzt ist es ein enger Bleistiftrock nach meinem persönlichen Schnittmuster geworden und für eine Jacke im „Motorradjackenstil“ hat sich auch noch ein edles, schönes Schätzchen im Stofflager gefunden. Aus dem dunkelblauen Fashion for Designer Stoff werde ich eine Hemdbluse nähen. Dazu ist der relativ dünne, etwas elastische Stoff auch besser geeignet. Der Rock ist fertig, die Jacke noch nicht.  Ich bin gespannt ob dieser Plan hält oder noch einmal modifiziert wird.

Hier noch einige Details des Rockes:Harrisrock Detail 3

Das Taillenband ist innen auch mit Futterstoff
gearbeitet. Der Wollstoff kratzt ein wenig.

Harrisrock Detail 2

 

MMM – Moebelstoffrock

Moebelstoffrock Nina MMM

 

Schon im Frühjahr 2013 habe ich aus Möbelstoff einen Rock genäht, es ist immer noch ein wichtiges Kleidungsstück meiner Garderobe. Jetzt hat er einen Zwilling bekommen.

Die Verarbeitung ist wie üblich mein eigener Maßschnitt und, wegen des großen Musters, statt mit Seitennähten mit Abnähern in der Taille. Ich wollte das Muster nicht unterbrechen. Dieses Mal habe ich den Reißverschluss sichtbar außen aufgenäht. Er ist gefüttert und hat einen großen, hohen Detail MRockSchlitz für die Bequemlichkeit.

Kombiniert wird er an diesem Mittwoch mit einem meiner alten Sorbetto Tank Tops und einem neuen Nina-Cardigan in grün.

 

 

 

 

Hier der Link zum MMM, der wöchentlichen Modenschau für Nähnerds.

 

Moebelstoffrock 1 Moebelstoffrock 2 Moebelstoffrock 3

Hosen – noch mehr Brot und Butter Näherei

Diesen Sommer habe ich meine schwarze weite Leinenhose und auch die graue von Annette Görtz entgültig aufgebraucht. Dünner Stoff, Risse – nichts mehr zu machen. Ich brauche einen Ersatz.  Diese weiten Hosen mit den vorverlegten Seitennähten in denen die Taschen versteckt sind trage ich so gerne. Im Winter gibt es sie aus Wollstoff und gefüttert und im Sommer aus Leinen oder Baumwolle und ungefüttert. Der Schnitt wird von Saison zu Saison modifiziert aber im Kern ist er seit 10 (?) Jahren immer ähnlich geblieben.

Leinenstoffe für weite HosenSchon im vorletzten Winter habe ich einen ähnlichen Schnitt aus unterschiedlichen Versatzstücken selbst konstruiert. In den letzten zwei Wochen sind nun nach diesem Schnitt Leinenhosen ohne Futter für den Sommer entsstanden. Eine schwarze, eine rote und eine lila Hosen sollten es werden. Die lila Hose paßt zu den Keidungstücken der lila – rot – grauen Kollektion.

Hier zeige ich die lila Hose. Ihr Sitz ist gut. Die vielen Versuche und die  Unterstützung von Immi und Julia tragen Früchte. Beide sind echte „Hosenspezialistinnen“.  Inzwischen besitze ich auch eine umfangreiche Sammlung von Büchern und Videos die beim Hosennähen hilfreich waren. Ich habe vier Schnitte die alle in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung sind. Dieser weite Hosenschnitt paßt. Die Modifikationen die bei jedem neuen Stoff  nötig sind kann ich bewältigen.

Hose  weite Beine adF hinten Hose weite Beine adF vorne

Ich habe in den Schnitt genau die Elemente eingebaut die mir gefallen und diese Hosen bequem machen. Es gibt einen inneren Taillenbeleg, einen Knopf der den Reisverschluss sichert (ich weiß immer noch nicht wie dieses Teil fachlich korrekt bezeichnet wird) und tiefe Taschen bis auf der Höhe der Oberschenkel, die bis zum Reißverschluss gehen und meine Bauchpartie  besser aussehen lassen. Für den Winter nähe ich mir noch ein paar Gefütterte aus Wollstoff und dann können die alten Verbrauchten weggeworfen werden.

Hose weite Beine Detail 2 Hose weite Beine Detail

 

Der Schnitt für engere Hosen aus Stoff und einem kleinen Elastananteil sitzt auch ziemlich gut. Basis für diesen Schnitt ist ein spezieller Schnitt für „kleine Dicke“. Ein sehr guter Schnitt. Demnächst stelle ich ihn vor. Hier schon mal ein Foto.

Der dritte Schnitt, Lola Pant von Style ARC ist eine Überraschung gewesen. Überraschend gut und nur wenig Anpassung ist nötig.Eine mittelweite Hose mit Gummi in der Taille. Eine schnelle Sache für „Schlafanzughosen“. Die trägt man jetzt ja auch auf der Straße. Ich habe daraus eine schwarze lässige Hose für meine Sommerreise genäht.

Mit den vierten Hosenschnitt hatte ich so meine Mühe. Er ist mir aber der Wichtigste, der selbstkonstruierte Basisschnitt. Es gibt zwei Hosen die ich im Alltag erprobe. Sie sind schon sehr bequem. Bei diesem Schnitt, ein relativ enger Schnitt, ist die Hinteransicht aber noch nicht optimal, immer noch ein bisschen zu viele Falten unter den Pobacken.

Inzwischen ist deutlich geworden, dass immer mehr bloggende Näherinnen über Hosen nachdenken. Meike von Crafteln hat es ausgesprochen und eine Schleuse geöffnet. Da werden wir demnächst sicher ganz viele neue Schnitte und spannende Werke sehen. Ich freu mich darauf.

Hier noch ein paar Bilder meiner neuen weiten Sommerhose.

weite Hose Outfit vorne Weite Hose Outfit hinten

Klein und rund 1 – SBCC Patterns.

TNT Shirt KurzarmVor einiger Zeit bin ich im Kontakt mit Constance von Santa Lucia Patterns an die Schnittmusterdesignerinnen erinnert worden, die für Frauen meiner kleinen, runde Körperstatur arbeiten. Viele gibt es nicht davon und häufig ist ihre Präsentation nicht besonders chic oder modern. Mich interessieren zur Zeit weniger chice und mehr passende und gut gearbeitete Basisschnittmuster die ich dann varieren kann. Hier meine ersten Erfahrungen mit diesen „Spezialschnitten“.

Das rote Oberteil basiert auf dem kostenlosen Schnitt SB322 Tonic T-Shirt von SBCC Patterns. Hier werden Downloadschnitte auch speziell für „petite curvy“ Frauenfiguren vermarktet. Zu meiner großen Überraschung stimmten meine Körpermaße genau mit der Größe 1X der Größentabelle überein. Wenn ihre Basis für eine Größe auf meiner Körperform basiert, dann ist das doch eine klasse Chance. Es lohSB322-Tonic-Tshirt1nt sich auch die anderen Schnitte dieses Verlages anzuschauen.

Als Hürde erwies sich der Ausdruck des Schnittmusters. Die verschiedenen Formate wollten zunächst nicht mit meinem Drucker kooperieren. Dieser Teil ist noch verbesserungsfähig. Es gibt allerdings eine gute Anleitung, die ich zu spät entdeckt habe.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Schnittmuster. Es passt perfekt. Ich habe keinerlei Veränderungen vorgenommen. Obwohl der Schnitt keine Brustabnäher hat, gibt es fast keine  Zugfalte von Brust zum Armloch. Die Vorderlänge des Shirts ist sehr gut balanciert.  Die Schulternaht sitzt exakt da wo ich sie haben will. Die Ärmelnähte passen genau, der sanfte Schwung der Säume am Vorderteil und den Ärmel ist großartig. Der Schnitt hat Linien für die VerlängeruTNT Shirt Pappeng der Schnittteile und passende Passzeichen. Ich bin begeistert. Die vorgeschlagene Verarbeitung ist üblich und ist Englisch. Verständlich wird sie auch durch viele Detailzeichnungen. Es gibt keine deutsche Fassung. Ich habe bei der Schulternaht die verbesserte und von mir hier beschriebene Technik verwendet.

Ich habe  den Schnitt auf Pappe kopiert, Ausschnittvarianten markiert und an meinen Basisschnittebügel gehängt. Es ist jetzt Gundlage für viele weitere Oberteile.

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Basisschnitt – Hosen konstruieren

Ich schränke mich nicht ein. Ich will alles tragen.  Hosen gehören seit langem zu meinen beliebtesten Kleidungsstücke und jetzt will ich lernen sie selber zu machen. Fasziniert habe ich die verschiedenen Frauen  und ihr Ringen um gut sitzende Hosen verfolgt. Ich habe gelernt, dass es Frauen gibt die ihr Leben lang keine gut sitzenden und bequemen Hosen kaufen konnten. Ich habe sehen gelernt, wie gut sitzende Hosen aussehen. Noch kann ich aber keine produzieren.

Im vorletzten Winter habe ich mich erstmals an die Herstellung weiter Hosen gemacht und war ganz erfolgreich. Das Ergebnis waren zwei gefütterte weite Hosen mit vorverlegten Beinnähten. Die Rückansicht war befriedigend. Unter den Pobacken zeig sich immer zu viel Stoff. Aber die Hosen sind tragbar; im Winter tuen sie mir gute Dienste. Der erste große Meilenstein auf dem Weg zu guten Hosenschnitten.

Zum Geburtstag habe ich einen Konstruktionskurs Hosen im Modelabor in Düsseldorf bei Susanne Sixtus geschenkt bekommen. Das sollte mein zweiter großer Meilenstein werden. Ich wollte das Konstruieren eines gut sitzenden Basisschnittes lernen. Der Kurs war ein Erfolg. Ich habe gelernt wie eine Hose nach meinen Maßen auf Papier konstruiert wird. Die erste Übung war das Aufstellen eines Schnittes mit Idealmaßen auf 1 zu 4.

Hosen konstruieren auf Papier 1 zu 4

Und dann kam das ganze nach eigenen Maßen in Originalgröße.

Hosen konstruieren auf Papier 2

Und das Nähen einer Probe aus Nessel. Anprobieren, Änderungen einarbeiten, auf dem Papierschnitt vermerken, Nesselprobe ändern, auf dem Papierschnitt notieren, Nesselprobe modifizieren……………….

Und dann der erste Hosenschnitt! Auch schon mal in schwarzem Stoff probiert. Die Nesselprobe sitzt besser als der erste Versuch. Ob ich nicht exakt gearbeitet habe? Nun, der Schnitt, den ich aus Düsseldorf mitgebracht habe, ist brauchbar, ein guter Ausgangspunkt aber da gibt es noch viel zu verbessern.

Erste Hosenprobe1

 

Nun zum dritten Meilenstein. Zuhause habe ich mit Fotos und Beratung von Julia den Schnitt weiter verbessert. Immer wieder das gleiche Verfahren: Hosenprobe anpassen, Fotos machen, Erfolg beurteilen, Ideen entwickeln und Vorschläge von Julia in Empfang nehmen, Hosenprobe verändern, Veränderung auf dem Schnitt vermerken, Fotos machen……………….

Bestimmt 6 solcher Schleifen habe ich gemacht. Wenn alles zu Unübersichtlicher wurde habe ich schnell eine neue Hosenprobe genäht. Jetzt gibt es einen ganzen Stapel alter Hosenproben.

Hosen konstruieren Probehosenstapel

Dann war die Hosenprobe ausreichend angepasst und ich habe keine Lust auf weitere Übungen gehabt. Ich bin dann zum vierten Meilenstein gekommen. In den Stoffresteparadiesen in Bielefeld gibt es viele feste Stoffe, die sich für Hosenübungen eignen. Ich habe zwei Stoffe gefunden, die von beiden Seiten brauchbar sind und die mir gefallen haben.

Hosen konstruieren Stoffe Probehose

Der untere Stoff ist mit der dunklen Seite nach außen und der obere Stoff mit der hellen Seite nach außen verarbeitet worden. Basis war immer der angepasste Hosenschnitt. Dazu konstruiert habe  ich noch einen eingesetzten Formbund, Vordertaschen und einen Reißverschluss mit Untertritt und „Knopfsicherung“ (keine Ahnung wie das korrekt und auf Deutsch heißt). Alles das hatte ich im vorletzten Winter bei meinen ersten Hosenversuchen schon ausgetüftelt.

Hosen konstruieren safe fly

Ich habe also viel Wert auf die Innenverarbeitung gelegt. Eine gute Innenverarbeitung erhöht für mich die Tragequalität immens und sie ist ein Motive zum Selbernähen, Keine klaffenden Reißverschlüssen, Festigkeit und Lockerkeit genau da wo ich es mag, Taschen so plaziert und genauso tief wie es mein Bedürftnis ist.

Ich habe jetzt zwei Hosen, tragbare Probehosen, eine weiter, eine enger und ich erprobe mit ihnen den Sitz und ihr Verhalten im Alltag. Noch immer zeigen sich Falten unter den Pobacken hinten und vorne am Schritt gibt es weiteren Optimierungsbedarf. Das zeigt sich auf Fotos und im Spiegel. Aber von innen fühlen sich die Hosen schon ganz wunderbar an. Sie kneifen oder spannen nirgendwo; sie sind bequem und sehr praktisch.  Ich werde also weiter mit dem Schnitt arbeiten aber ich bin schon ganz fröhlich über das Erreichte.

Nach ausgiebigem Tragen sind die Hosen fast schon wieder zu weit; ein normales Phänomen bei Webstoff. Die Kleidunsstücke wachsen beim Tragen und sind wieder eng nach dem Waschen.

Hose 1. echte vorne Hose 1. echte hinten