Archiv der Kategorie: Schnittmusterbeschreibung

Schnittmusterbeschreibung – Weite Hose Marleene

Neulich habe ich einen kleinen Nähkurs in Köln gemacht und dabei ein Maßkleid genäht. Einige Zeit später bekam ich dann beim Nähwochenende in Mettingen zwei weitere Maßschnitte der Designerin Anja Höhn geschenkt.

Hier der Bericht über meine Erfahrungen mit der Hose:

Marleene ist eine weite, gerade, taillenhohe Marlenehose. Der Saum der Beine ist 33 cm breit.

Der Maßschnitt der Hose wird von der Designerin als Papierschnitt und als PDF-Datei geliefert. Dazu gibt es eine aussagekräftige Nähanleitung mit Links zu einigen kleinen Anleitungsfilmen.

Ungewöhnlich ist, dass die Hose mit einem verdeckten Reißverschluss im Rücken geschlossen wird. Der Bund ist zweigeteilt und hat nur im unteren Teil Gürtelschlaufen.

Das korrespondiert mit der Gestaltung der Eingriffe der Hosentaschen.

Die Hose kann im vorderen Bein gefüttert werden.

Größen:
Meine Marleen ist ein Maßschnitt. Die Designerin hat meine Körpermaße geschickt bekommen und ich habe dann ein Schnittmuster für einen Grundschnitt zurückbekommen. Den habe ich als Nesselprobe genäht. und angepasst. Auf dieser Basis wurden dann die Schnittmuster erstellt.

Sieht das genähte Kleidungsstück wie auf dem Foto bzw. wie die technische Zeichnung aus?
Ja, da habe ich keine Überraschungen erlebt.

War die Anleitung leicht zu verstehen?
Die Anleitung ist sehr gut. Insbesondere die Filme haben mir sehr geholfen.

Was mochte ich besonders bzw. überhaupt nicht an dem Schnittmuster?
Die Hose ist gut konstruiert. Ich hatte keinerlei Probleme. Sie hat ohne Anpassung gut gesessen. Ich könnte allenfalls die hintere Schnittnaht noch etwas tiefer schneiden.

Der Reißverschluss hinten hat mich sehr überrascht. Bei der Beschreibung des Schnittes hatte ich das überlesen, habe ihn dann aber so genäht wie vorgeschlagen. Und jetzt finde ich das absolut bequem. Allerdings traue ich diesen verdeckten Plastikreißverschlüssen nicht über den Weg. Von innen habe ich deshalb Haken und Öse eingebaut. Das ist auch einfacher beim Anziehen.

Verwendeter Stoff?
Der Stoff kommt aus dem Resteladen und war außerordentlich günstig. Deshalb habe ich auch keine Probe genäht. Es scheint eine Mischung aus Polyester und Wolle zu sein. Er knittert kaum, glänzt etwas viel und ist ganz unproblematisch zu waschen. Nur der Saum der Hose scheint duch. Das liegt wohl am Stoff. Da muss ich noch mal was ändern.

Änderungen am Schnittmuster oder am Design?
Nur Haken und Öse am Verschluss im Rücken.

Welche Unterstützung oder Tutorials habe ich genützt?
Anleitung

Würdest du das Schnittmuster noch einmal nähen?
Klar, noch mehrmals. Stoff liegt schon bereit.

Fazit:
Ich bin sehr froh über diesen Schnitt und kann mir viele Varianten vorstellen

Patty – Prime Pattern – Schnittmusterbeschreibung

Es kommt immer häufiger vor, dass kleine Modedesignateliers auch eigene Entwürfe als Schnittmuster verkaufen. Anja Höhn / Prime Pattern bietet sogar Nähkurse zu ihren Schnitten an. Die Schnitten sind als Maßschnitte (incl. Überprüfung der individuellen Maße mit einer Nesselprobe) oder als Design – Schnitt nach der Maßtabelle zu beziehen. Und es gibt die Schnitte als PDF oder zum Ausdrucken. Schaut selbst auf der Internetseite nach. Das Angebot ist sehr differenziert.

Ich habe mich etwas in ihren Schnitt Patty, Sex und Drogs and Rock’n Roll verguckt. Im Juni gab es dann die Gelegenheit das Kleid im Atelier in Köln mit netter Begleitung von 2 bzw. 3 weiteren Näherinnen zu fertigen. Gerade eben haben die sinkenden Infektionszahlen der Seuche es zugelassen.

Geschlossen wird das enge Kleid mit einem rasanten, auffälligen, diagonal verlaufenen 2 Wege Reißverschluss vorn. Auch die halben Ärmel bekommen zwei, allerdings funktionslose, Reißverschlüsse.

Die Prinzessnähte verlaufen ab der Hüfte in einem eleganten Schwung nach hinten und ermöglichen so bequeme Nahttaschen.

Im Rücken werden auf der Höhe des Gesäßes Paspeltaschen eingebaut.

Das Kleid ist ungefüttert, bei einem Jeanskleid ist Futter auch nicht wirklich üblich. Die Nahtzugaben sind mit der Overlock gesäubert. Das würde ich auf beim nächsten Mal so machen, Hong Kong finisch würde hier zu sehr auftragen. Bei diesem Schnitt mit anderen Stoff würde ich über Futter bzw. Versäuberung der Nahtzugaben noch mal genauer nachdenken.

Der Kurs
Frau Höhn bietet auch hochwertige Stoffe und die nötigen Zutaten an. Ein Rundum-sorglos-Paket also, wenn man will. Ich habe mich dafür, einen Maßschnitt und für einen angebotenen grünen Jeansstoff mit Elastan entschieden. Der passt gut zu meiner Garderobe und durch das Elastan ist das Kleid unglaublich bequem geworden. Genützt habe ich auch die Maschinen im Atelier.
Ich hatte im Vorfeld nur die Nesselprobe für die Passform genäht, mir aber keine Gedanken um die Anleitung gemacht. Während des Nähprozesses im Kurs war ich also an einigen Stellen einigermaßen orientierungslos und mehr auf Anweisungen angewiesen als mir lieb ist. Das würde ich sicher beim nächsten Mal verändern und die Anleitung mal genau lesen. Die Anleitung ist eigentlich ausführlich, es gibt eine Menge hilfreicher Tricks und Tipps. Das Kleid ist schon sehr tragbar, ich will allerdings noch etwas an der Taille hinten anpassen und beim nächsten Mal die rückwärtigen Taschen einige Zentimeter höher einnähen.


Die Nähkurse im Atelier sind für maximal 4 Personen gedacht; dann hat jeder/ jede ausreichen Platz. Eigene Maschinen können mitgebracht werden, die vorhandenen Haushaltsnähmaschinen und die Industriemaschinen werden aber auch zur Verfügung gestellt. So eine uralte Industriekettelmaschine ist schon ein Erlebnis! Als etwas sture Westfälin, frisch aus dem Lockdown, habe ich besonders intensiv das erlebt, was in meiner Heimat rheinische Art / rheinische Fröhlichkeit heißt: etwas durcheinander, viele verschiedenen Dinge gleichzeitig, Geschichten, sozialpolitische Diskussionen und Anekdoten, unkonventionelle Lösungen. Und, wie es normal ist für Nähtreffen, am Ende muss noch schnell was fertig werden und es wird plötzlich hektisch. Ich bin mit meinem Kleid nicht fertig geworden, von Anja Höhn aber noch mit Tipps und Tricks und Faden versorgt worden um mein Kleid erfolgreich und schnell zu Hause zu vollenden.
Der Kurs hat mir gutgetan, die Menschen haben mir gutgetan und ich mag mein neues Kleid sehr.

Schnittmusterbeschreibung – Trench #Martha Fibre Mood

Beschreibung
Fibre Mood Nr. 8, deutsche Ausgabe, Titelmodell,
Das Schnittmuster beschreibt einen auf Grundelemente reduzierten, zweireihigen, langen Trenchcoat mit Raglan. Es gibt einen Koller, Schulterklappen, „Ärmelgürtel“, Paspeltaschen und großer Schlitz hinten im Mantel. Taillengürtel und „Ärmelgürtel“ sind einfach gearbeitet und zum binden. Es gibt keine Hinweise auf ein Futter.

Verwendeter Stoff
Ich habe dünnen weichen Nylonstoff verarbeitet. Leider ist er nach der Vorwäsche nicht mehr wasserabweisend. Der fertige Mantel wurde deshalb mit Imprägnierspay behandelt. Der Stoff ließ sich nicht gut verarbeiten. An den Nähten zeigen sich leichte Kräusel. Ich hätte hier noch geduldiger mit anderen Nadelarten, Nähgarn und Fadenspannungseinstellungen arbeiten können und dann vermutlich bessere Ergebnisse erzielt.

Anleitung
Die Monatszeitschrift Fibre Mood veröffentlicht Schnitt und grafische Anleitung in ihrer Zeitschrift, eine ausführliche Anleitung, auch in Deutsch, gibt es auf der Internetseite nach Anmeldung. Hier finden sich auch Stilempfelungen. Die habe ich aber missachtet. Die grafische Anleitung reicht erfahrenen Näherinnen sicher aus. Ich habe aber beide genützt.

Größe
Der Schnitt Martha geht von S bis XXXl, Größe 34 bis 60. Häufig sind das Doppelgrößen. Der Mantelschnitt ist nicht passformsensibel, ich habe L genäht und bin sehr zufrieden mit meiner Wahl. Auch gekürzt ist er nicht. Ich wollte eine große, lange Hülle als Regenschutz.

Verarbeitungshinweise
Die futterlose Verarbeitung des Mantels sieht für die Säuberung der Nähte die Verwendung der Overlock vor.

Bei vielen Nähten bietet sich aber eine Rechts/links Naht an. Ich mag besonders gerne die gemischte Verwendung (Tutorial hier weiter unten im Beitrag): Links auf links mit der Overlock zusammennähen dann wenden und die Naht knappkantig steppen. Bei der Raglannaht habe ich das nicht gemacht. Um Kappnähte zu simulieren habe ich hier erneut von rechts die Nahtzugabe fixiert.


Den Knöpfen habe ich einen kleinen Gegenknopf spendiert. Ich traue dem dünnen Stoff . Die Ärmelbänder habe ich mit einer Schlaufe am Ärmel fixiert.
Sonst ist alles so wie in der veröffenlichten Beschreibung.

Fazit
Ich bin sehr zufrieden mit Schnitt und Produkt.

Schnittmusterbeschreibung Olya Shirt von Paper Theory

Olya Schnitt für ein Hemd bzw ein Hemdkleid. Alle klassischen Merkmale sind vorhanden: Hemdkragen mit Steg, Ärmelmanschetten mit Falten, abgerundeter Saum, Brusttaschen …
Der besondere Dreh entsteht durch die spezielle Ärmelführung im Vorderteil und die eingesetzten Taschen:

Verwendeter Stoff:
Verwendet habe ich alten Leinenstoff für das eine und grobe Wildseide für das andere Hemd.

Anleitung:
Die englische Anleitung ist sehr ausführlich und auch schwierige Schritte sind gut bebildert.

Größen:
Das firmeneigene Größenschema geht von 6 bis 20.  Die größte Größe arbeitet mit 113 cm Brustumfang, das fertige Hemd hat dann 141 cm Brustbreite. Guter Servis, das sowohl die Körpermaße als auch die Maße des fertigen Stückes aufgeführt sind. So etwas möchte ich bei allen Schnittmustern sehen.

Verarbeitunghinweise:

Ich habe nach Anleitung genäht. Hier wir die Overlock zum Versäubern vorgeschlagen. Das macht bei vielen Nähten auch Sinn. Nur die Seitennaht hat eine Kappnaht bekommen. Beim weißen Hemd habe ich die Knöpfe an den Brusttaschen weggelassen und die Eingriffe nur mit kurzen Steppnähten rechts und links gesichert.

Fazit:
Ein weites, bequemes Hemd! Im Sommer sicher gut auch als leichte Jacke zu tragen. Der Schnitt hat mir keine Schwierigkeiten bereitet. Ich empfehle den ihn.

Schnittmusterbeschreibung Rock dp studio LE 401

le401 ist ein Rockschnitt der pariser Firma DPStudio, schon etwas älter und nicht mehr erhältlich. Mir ist er aber als wunderbar schräg in Erinnerung geblieben. Vor einiger Zeit hatte ich mich schon mal an ihm versucht und war gescheitert. Jetzt hat es geklappt. Der Rock hat was von Kellnerschürze aber auch bravem, glockigen Rock oder Rockerkleidung. Je nachdem von welcher Seite er präsentiert wird. Es ist ein Wickelrock mit breitem Übertritt.
Die Firma schlägt vor, das der Rock auch vorne offen getragen werden kann, so wie oben auf dem linken Bild.
Und der Schnitt kann verwendet werden um einen weiten oder auch einen engen Rock herzustellen. Dazu müssen die jeweiligen Teile einfach verdoppelt und dann angepasst werden.

Verwendeter Stoff:
Für den linken Rockteil, die enge Rockhälfte habe ich Kunstleder gewählt, links schwingt ein dünnerer Wollstoff mit zarten, eingewebten Streifen.

Auch der Bund nimmt diese Zweiteilung auf. Der enge, kunstlederne Teil sitzt etwas höher in der Taille

Der Wickelrock ist vollständig gefüttert. Der breite Übertritt mit Wollstoff, für den Rest habe ich Seidenfütter verwendet.

Anleitung:
Es gab den Schnitt in englischer und in französischer Sprache und nur als Papierversion. Ich habe nach der englischen Anleitung gearbeitet und die ist ausführlich und vollständig. Es gab keine Probleme mit der Anleitung aber mit der Umsetzung am Rockbund, beim Saum und beim Futter. Ich hatte etwas Mühe zu verstehen was gemeint ist. Danke an Sybille . Sie hat den Rock schon genäht und mir geholfen.

Größen:
Das firmeneigene Größenschema geht von 36 bis 48.  Die größte Größe arbeitet mit 91cm Taillenumfang, ich brauche 100 cm. Also habe ich den Schnitt um zwei Größen verbreitert. Bei Mehrgrößenschnitten geht das ja sehr gut.

Verarbeitunghinweise:

Auch bei diesem Rock habe ich trotz der Hilfe von Sybille am Ende Mühe gehabt.
Für den glockigen Teil des Rockes habe ich einen Stoff gewählt der sich da heftig auslängt, wo er quer zum Fadenlauf geschnitten ist. Der Rock musste also aushängen.
Und danach ist mir die Anpassung an meinen Körper schwer gefallen. Normalerweise nähe ich das Rockbündchen zuletzt. Ich fixiere den fast fertigen Rock mit einem Gummi in der Taille und entscheide so über den Sitz des Rockbundes. Wegen der besonderen Konstuktion ging das hier aber nicht. Den Saum des Kunstlederteils hatte ich schon gesäumt bzw geklebt. Er sollte die Orientierung sein. Mehrfach habe ich den anderen Teil abkreiden lassen. Immer wurde er schief. Dann ist meiner Nähfreundin aufgefallen, das der Kunstlederteil völlig schief und deshalb als Ansatzpunkt nicht tauglich war. Also wurde auch diesen Teil aufgemacht, abgekreidet und neu geklebt. Danach lief es dann.
Meine Taille ist nicht waagerecht!! Ich weiß das, hatte es hier aber nicht berücksichtigt. Balancelehre!! Hier gut erklärt von SewingGalaxy und auch von Beschwingtes Allerlei.

Fazit:
Ein weiteres schräges Teil von DP Studio. Je länger ich mich mit dem Rock beschäftigt habe umso mehr mochte ich ihn. Er ist ein wunderbares bisschen provokativ. Die Herstellung hat mir trotz oder wegen der Probleme spass gemacht und ich werde ihn tragen.