Basisschnitt – Hosen konstruieren

Ich schränke mich nicht ein. Ich will alles tragen.  Hosen gehören seit langem zu meinen beliebtesten Kleidungsstücke und jetzt will ich lernen sie selber zu machen. Fasziniert habe ich die verschiedenen Frauen  und ihr Ringen um gut sitzende Hosen verfolgt. Ich habe gelernt, dass es Frauen gibt die ihr Leben lang keine gut sitzenden und bequemen Hosen kaufen konnten. Ich habe sehen gelernt, wie gut sitzende Hosen aussehen. Noch kann ich aber keine produzieren.

Im vorletzten Winter habe ich mich erstmals an die Herstellung weiter Hosen gemacht und war ganz erfolgreich. Das Ergebnis waren zwei gefütterte weite Hosen mit vorverlegten Beinnähten. Die Rückansicht war befriedigend. Unter den Pobacken zeig sich immer zu viel Stoff. Aber die Hosen sind tragbar; im Winter tuen sie mir gute Dienste. Der erste große Meilenstein auf dem Weg zu guten Hosenschnitten.

Zum Geburtstag habe ich einen Konstruktionskurs Hosen im Modelabor in Düsseldorf bei Susanne Sixtus geschenkt bekommen. Das sollte mein zweiter großer Meilenstein werden. Ich wollte das Konstruieren eines gut sitzenden Basisschnittes lernen. Der Kurs war ein Erfolg. Ich habe gelernt wie eine Hose nach meinen Maßen auf Papier konstruiert wird. Die erste Übung war das Aufstellen eines Schnittes mit Idealmaßen auf 1 zu 4.

Hosen konstruieren auf Papier 1 zu 4

Und dann kam das ganze nach eigenen Maßen in Originalgröße.

Hosen konstruieren auf Papier 2

Und das Nähen einer Probe aus Nessel. Anprobieren, Änderungen einarbeiten, auf dem Papierschnitt vermerken, Nesselprobe ändern, auf dem Papierschnitt notieren, Nesselprobe modifizieren……………….

Und dann der erste Hosenschnitt! Auch schon mal in schwarzem Stoff probiert. Die Nesselprobe sitzt besser als der erste Versuch. Ob ich nicht exakt gearbeitet habe? Nun, der Schnitt, den ich aus Düsseldorf mitgebracht habe, ist brauchbar, ein guter Ausgangspunkt aber da gibt es noch viel zu verbessern.

Erste Hosenprobe1

 

Nun zum dritten Meilenstein. Zuhause habe ich mit Fotos und Beratung von Julia den Schnitt weiter verbessert. Immer wieder das gleiche Verfahren: Hosenprobe anpassen, Fotos machen, Erfolg beurteilen, Ideen entwickeln und Vorschläge von Julia in Empfang nehmen, Hosenprobe verändern, Veränderung auf dem Schnitt vermerken, Fotos machen……………….

Bestimmt 6 solcher Schleifen habe ich gemacht. Wenn alles zu Unübersichtlicher wurde habe ich schnell eine neue Hosenprobe genäht. Jetzt gibt es einen ganzen Stapel alter Hosenproben.

Hosen konstruieren Probehosenstapel

Dann war die Hosenprobe ausreichend angepasst und ich habe keine Lust auf weitere Übungen gehabt. Ich bin dann zum vierten Meilenstein gekommen. In den Stoffresteparadiesen in Bielefeld gibt es viele feste Stoffe, die sich für Hosenübungen eignen. Ich habe zwei Stoffe gefunden, die von beiden Seiten brauchbar sind und die mir gefallen haben.

Hosen konstruieren Stoffe Probehose

Der untere Stoff ist mit der dunklen Seite nach außen und der obere Stoff mit der hellen Seite nach außen verarbeitet worden. Basis war immer der angepasste Hosenschnitt. Dazu konstruiert habe  ich noch einen eingesetzten Formbund, Vordertaschen und einen Reißverschluss mit Untertritt und „Knopfsicherung“ (keine Ahnung wie das korrekt und auf Deutsch heißt). Alles das hatte ich im vorletzten Winter bei meinen ersten Hosenversuchen schon ausgetüftelt.

Hosen konstruieren safe fly

Ich habe also viel Wert auf die Innenverarbeitung gelegt. Eine gute Innenverarbeitung erhöht für mich die Tragequalität immens und sie ist ein Motive zum Selbernähen, Keine klaffenden Reißverschlüssen, Festigkeit und Lockerkeit genau da wo ich es mag, Taschen so plaziert und genauso tief wie es mein Bedürftnis ist.

Ich habe jetzt zwei Hosen, tragbare Probehosen, eine weiter, eine enger und ich erprobe mit ihnen den Sitz und ihr Verhalten im Alltag. Noch immer zeigen sich Falten unter den Pobacken hinten und vorne am Schritt gibt es weiteren Optimierungsbedarf. Das zeigt sich auf Fotos und im Spiegel. Aber von innen fühlen sich die Hosen schon ganz wunderbar an. Sie kneifen oder spannen nirgendwo; sie sind bequem und sehr praktisch.  Ich werde also weiter mit dem Schnitt arbeiten aber ich bin schon ganz fröhlich über das Erreichte.

Nach ausgiebigem Tragen sind die Hosen fast schon wieder zu weit; ein normales Phänomen bei Webstoff. Die Kleidunsstücke wachsen beim Tragen und sind wieder eng nach dem Waschen.

Hose 1. echte vorne Hose 1. echte hinten

 

17 Gedanken zu „Basisschnitt – Hosen konstruieren

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  9. frifris

    Wow, ich bin schwer beeindruckt von deiner Zielstrebigkeit und deinem Durchhaltevermögen. Nie hätte ich die Geduld, so viele Anpassungen zu machen und immer wieder neu zu nähen.
    Das sich das aber sehr wohl lohnt, sieht man an deiner Ergebnishose, super sieht die aus!!
    Mein erstes Kleidungsstück war eine Karo(!)Hose, die wohl völlig wundersam sehr sehr gut gepasst hat. Ohne dass ich irgendeine Ahnung hatte (ein alter Burdaschnitt). Schade, dass sie nicht mehr existiert, heute würde ich sie gerne noch einmal inspizieren um zu wissen ob das nur meine alte Jugendsicht war oder ob ich sie heute auch noch gut (und gut passend und gut genäht) finden würde. Tja.
    Liebe Grüße! frifris

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  11. mei

    Liebe mema,

    einen tollen post hast Du da geschrieben!

    Ich bin hellhörig geworden als Du ganz am Anfang geschrieben hast, dass Du gelernt hast, eine gut sitzende Hose zu erkennen. Jetzt bin ich neugierig: wie sieht eine gut sitzende Hose aus?
    Ich dachte immer, Falten unterm Po sind normal, denn man muss mit der Hose ja auch sitzen können?!

    Liebe Grüße
    mei

    Antworten
  12. MaxLau

    Auch ich ziehe meinen Hut vor deiner Zielstrebigkeit. Für mich gehört das Hosennähen zur Königsdisziplin und deine Hose hat schon mal ein Krönchen verdient.

    Ich finde es sehr schwierig, eine passende Hose zu nähen. Irgendetwas findet man immer und das ist eigentlich normal. Wir bewegen und leben ja in unseren Sachen und dieses Leben nehmen sie halt auf. (Wenn man älter wird, kommen die ersten Lachfalten und beim längeren Tragen einer Hose kommen die Sitzfalten halt auch! )

    LG Martina

    Antworten
  13. yvonet

    Ich weiß nicht wie stark du deinen selbstkonstruierten Schnitt noch optimieren möchtest, aber für mich sitzt die Hose schon sehr, sehr gut. Ich bewundere immer wieder wie systematisch und zielstrebig du dich mit einem Thema beschäftigst und wie schnell du dich weiterentwickelst. Ich hoffe du planst schon deinen Berlinbesuch und kannst mir bald viel ausführlicher über deine neusten Erkenntnisse bzgl. der Schnittkonstruktion berichten!
    LG Yvonne

    Antworten
  14. Anne

    Ich bewundere Deine Hartnäckigkeit und Gründlichkeit,
    Aber vor allen Dingen schätze ich Deine Großzügigkeit, mit der Du alle Deine Erkenntnisse auf Deinem Blog mitteiltst. Es ist einfach wohltuend zu wissen, dass ich nun nicht alle Fehler auch erst selber machen muss, um etwas zu lernen und ich mir so einiges von Dir abgucken darf. Eine gute Zeit, um Dir dafür einfach ein dickes DANKESCHÖN zu sagen.
    Liebe Grüße
    Anne

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  15. Immi Meyer

    Du hast meinen allergrössten Respekt!
    Schöne Fotot wie du da so lässig und gut angezogen stehst!

    Was du ganz zuletzt sagst ist wirklich wahr und genau das hat mich dieser Tage auch beschäftigt: So bin ich jetzt dazu übergegangen die Hosen die ich mir mühevoll schön angepasst habe vorab als Rohlinge zusammenzunähen um sie nach einem Tragetag wieder aufzutrennen und den Schnitt neu aufzulegen.

    Liebe Grüße
    Immi

    Antworten
  16. fadori / Birgit

    das sieht ja schon richtig gut aus – ich freue mich schon auf meine Hosenkonstruktion bei Peggy M.
    -Anfang Juli
    Ich werde Deine Fortschritte im Auge behalten und über meine berichten
    GLG Birgit

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