Enge Röcke nach persönlichen Maßen Teil 3

Links zu Teil 1 und Teil 2

Teil 3 beschreibt Schritt für Schritt, wie aus dem individualisierten Schnittmuster ein Rock wird.
Dabei sind nicht alle Nähschritte exakt erklärt. Anfänger werden für einiges ein Basisnähbuch bemühen müssen. Ich bitte euch, wenn ihr Fehler findet, sie mir zu melden. Ich korrigiere dann. Danke dafür im Voraus.

Lampenrock Schnittmuster mit NahtzugabeTeil 2 endete damit, dass ein Basisschnittmuster nach persönlichen Maßen auf Papier konstruiert war. Ich habe dieses Papierschnittmuster auf eine Folie abgezeichnet und mit 1,5 cm Nahtzugabe versehen. Dies ist die Basis für das weitere Vorgehen. Ob man Schnitte mit oder ohne Nahtzugabe verwendet ist unerheblich und nur den persönlichen Vorlieben geschuldet. Mein Schnittmuster ist schon etwas abgenutzt und hat verschiedenen Linien von diversen Anpassungen.

 

1. Materialien

Ich habe für diesen Demonstrationsrock einen Dekorationsstoff mit riesigem Muster gewählt. Es soll ein normaler gerader Rock mit eLampenrock Materialieninem langen Gehschlitz hinten entstehen. Gefüttert wird er mit normalem Futterstoff. Im Rücken ist ein Reißverschluss eingearbeitet. Weil die Muster so riesig sind möchte ich den Rapport nur an einer Stelle, an der hinteren Rückennaht, unterbrechen. Es gibt also keine Seitennähte. Alles andere ist ganz regelrecht. Im Foto sieht man die benötigten Materialien. Nur ein Knopf fehlt noch.

 

2. Zuschnitt Oberstoff

Lampenrock Schnittmusterauflage

Zunächst habe ich den Stoff des Oberrocks zugeschnitten. Der Schnitt liegt auf dem halbierten Stoff, rechts das halbe Vorderteil am Stoffbruch und direkt daneben das halbe Rückenteil. Die Nahtzugabe des Schnittmusters der Seitennähte liegt hier teilweise übereinander. Hier bewährt sich das durchsichtige Schnittmuster. Ich kann genau erkennen wie die Musterelemente über den Stoff verteilt sind.

 

 

 

 

 

3. Übertragung der Passzeichen

Alle Passzeichen und Abnähermarkierungen  werden auf den Stoff übertragen. Das geht, wie in diesem Bild bei meinem Rock, mit  einem Tintenstift der ausgebügelt werden kann. Man kann die  Passzeichen aber auch mit Reihgarn durchschlagen oder mit Stecknadeln markieren. Das letztere ist sehr unkonventionell. Das sorgfältige Übertragen der Passzeichen spart erhebliche Zeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich das der eigentliche Nähprozess viel schneller geht weil sofort klar ist, wie die Stücke zusammenpassen.

 

4. Zuschnitt Futterstoff

Lampenrock Futter zuschneiden

Danach schneide ich den Futterstoff nach dem gleichen Schnitt wie der Oberstoff zu. Dazu nütze ich eine Zickzackschere. Der Futterstoff wird dann nicht weiter versäubert. Er hält so viele Wäschen aus. Zur Sicherheit können die Kanten aber auch mit einem breiten Zickzack der Nähmaschine oder der Overlock versäubert werden. Bei Futterstoffen bei denen sich die Schnittkanten schnell auflösen mache ich das so. Die Versäuberung mit Schrägband empfehle ich hier nicht. Die Nähte werden dadurch dicker und die Gefahr das sich die Naht nach außen durchdrückt, ist größer.

 

 

 

5. Nähen und Ausbügeln der Abnäher

Jetzt werden an Vorder- und Rückenteilen die Abnäher genäht und ausgebügelt. Die Naht geht von der breitesten Stelle bis zur Spitze. Die Form der Naht (gerade oder geschwungen) gibt bei engen Röcken MögRock Bügeleilichkeiten den Sitz zu perfektionieren. Hier bei diesem Musterrock wähle ich eine ganz gerade Naht. Nachjustiert werden können die Abnäher immer noch. Nach dem Nähen werden die Abnäher gut ausgebügelt. Um die Kurve schön auszuarbeiten verwendet man  besten ein Bügelei. Das läßt sich sehr leicht selbst herstellen. Ersatzweise geht aber auch ein zusammengerolltes und gefaltetes Handtuch.

 

6. Einnähen des Reißverschlusses

Noch vor dem Zusammennähen der Seitennähte nähe ich den Reißverschluss ein. Ich benütze hier einen sogenannten nahtverdeckten Reißverschluß. Das ist ein speziell hergestellter Reißverschluss aus Plastik der anschließend im Kleidungsstück fast nicht zu sehen ist. Für wenig Geld ist er überall zu kaufen. Hier kommt er in die hintere Mittelnaht. Ganz einfach geht es mit einem Spezialfüßchen. Diese Investition lohnt sich wirklich. Das Reißverschlusseinnähen verliert damit seinen Schrecken! Reißverschlüsse können aber auch sichtbar als Designelement eingesetzt werden.

Nach dem Einnähen des Reißverschlusses schließe ich die restliche Rückennaht mit der Nähmaschine. Für den Anschluss dieser Naht nütze ich das Füßchen, das zum Einnähen normaler Reißverschlüsse gedacht ist. Damit komme ich ganz Nähe an die Reißverschlussnaht heran. Hier stellt Sewing Galaxy eine andere Art des Einnähens vor. Auch sie ist sehr gut geeignet. WIchtig ist bei beiden Methoden, das der Reißverschluss auf beiden Seiten von oben nach unten gesteckt und vernäht wird.

 

7. Schließen der Seitennähte

Bügeln auf dem BügeleiErst jetzt schließe ich die Seitennähte mit einem langen Stich. Das heißt, ich hefte die Seitennähte. Die  belastbaren endgültigen Nähte kommen zu einem späteren Zeitpunkt nach der Anprobe. Bei diesem Rock habe ich statt Seitennähten nur Abnäher die den Hüftbogen nachbilden sollen. Mit denen verfahre ich wie beschrieben. Die Nähte werden wieder auf dem Bügelei ausgebügelt.

 

8. Anprobe

Rock begradien 4

Jetzt kommt die Anprobe. Als Ersatz für das Bündchen habe ich ein Rock begradigen 2breites Gummiband in der Taille. Unter diese Gummiband stecke ich den Rock.

Ich  ziehe vor dem Spiegel den Rock so lange hin und her bis er sitzt.  Wenn er sich schön an den Körper anschmiegt, ist der erste Anpassungsprozess erfolgreich gewesen.

Wenn der Rock insgesamt zu eng oder zu weit ist, kann ich das an den Seitennähte korrigieren. Wenn er an Rock begradigen 1einigen Stellen beult kann das an den Abnähern korrigiert werden. Sie können tiefer oder flacher werden; die Abnäherrundung kann variieren oder, bei Frauen mit einer großen Differenz zwischen Hüfte und Taille, lassen sich auch weitere Abnäher einfügen.Rock Tintenstift  Dann achte ich darauf, dass die Seitennähte im Lot sind. Mit einem Band und der Schere habe dazu ein kleines Lot gebastelt. Im zweiten Schritt sorge ich dafür, dass der Rock fadengerade zum Fußboden sitzt. Wenn der Rock dann sitzt, entscheide ich wo das Rockbündchen sitzen soll. Diese Linie markiere ich rundherum mit Stecknadeln, Nähkreide oder meinem Tintenstift.

 

9. Bündchen annähen

Rock Bündchen

Ein gerades Stück Stoff in der Länge des Taillenumfangs plus Länge des Übertritts für das Knopflochteil plus zwei mal Nahtzugabe wird zugeschnitten und mit aufbügelbarem „Bundfix Stanzband“ verstärkt. Dieses Rockbündchen wird jetzt an den Rock gesteckt. Dabei kommt eine Stanzlinie genau auf der Linie zu liegen, die bei der Anprobe als unterste Linie für das BündcRock Bündchen annähenhen festgelegt wurde. Ich hatte sie da mit meinem Tintenstift angezeichnet. Mit der Maschine nähe ich jetzt den Bund an den Rock.

 

 

 

Rock Bündchen annähen 2

Beim Futterrock sind die Seitennähte geschlossen und der Futterrock wird im nächsten Schritt ebenfalls an das Bündchen geheftet.

Rock Futter an Bündchen annähen

Rock Bündchen fertignähen 2

Rock Bündchen fertignähen1

 

 

 

Nun wird das Bündchen von rechts festgenäht. Die Naht liegt genau im Nahtschatten der ersten Naht. Inzwischen habe ich mir dafür ein besonderes Füßchen Rock Knopfloch und Knopf annähengeleistet, dass eine Führung hat. Es geht aber auch mit dem ganz normalen Nähmaschine.

Vorher ist hinten noch das Bündchen eingeschlagen worden. Auch der Übertritt für das Knopfloch wurde gearbeitet. Knopf und Knopfloch werden eingenäht. Spätestens jetzt sollte es eine weitere Anprobe geben.

 

 

 

 

 

 

10. Futterrock hinten annähen,
Säume von Oberstoff und Futter annähen.

Rock Futter an Bündchen 2

Als letzte Schritte sind noch das Futter an den Reissverschluss und den Schlitz anzunähen und die Säume von Oberstoff und Futter zu arbeiten.

Saum fertigstellen Briefecken

Rock Futter an Reissverschluss und Schlitz annähen 1

Für die Ecken des Oberstoffes verwende ich die Technik der Briefecken. Das sieht sauber aus und mit etwas Erfahrung gelingt das ganz gut.

Von Hand nähe ich den Saum an Reißverschluss und Schlitz an. Dazu lege ich den Rock auf mein Bügelbrett und klappt alle Säume so um, dass alles glatt liegt. So stecke ich es zunächst mit Stecknadeln fest und nähe des dann von Hand an. Dabei achte ich darauf, das in Höhe der Reissverschusses der Futterstoff etwas gestaucht ist, also nicht ganz glatt liegt. Erfahrungsgemäß verhindert das, das das Futter später dort einreißt.

 

Hier von sew 2 pro noch eine andere Art den hinteren Schlitz mit dem Futter zu verarbeiten. Auch sehr zu empfehlen

Saum fertigstellen Futter mit Zierstich

Den Saum des Futters nähe ich mit einem Zierstich der Nähmaschine an.

 

 

Schlitznaht

Der Schlitz wird durch alle Stofflagen oben mit einer doppelten Naht fixiert. So reißt der Schlitz nicht aus.

Der vorletzte Akt ist das Annähen des Oberstoffsaums. Hier habe ich ihn von Hand angenäht.

Und zu allerletzt bügle ich de Rock noch mal sorgfältig.

Fertig!! Fragen? Bitte mailt sie mir.

Rock fertig Rock ganz fertig

11 Gedanken zu „Enge Röcke nach persönlichen Maßen Teil 3

  1. Pingback: MMM – noch mal Keskinschlange | mema

  2. Pingback: Unabhängiger werden von Schnittmustern Teil 2 – Abnähermanipulation | mema

  3. Pingback: MMM – der Harrisrock und seine Geschichte | mema

  4. Pingback: MMM 14 – 4 Week | mema

  5. Pingback: mmm 14 – 2 week | mema

  6. Pingback: Jeansrock italienische Art | mema

  7. Pingback: Hahnentrittrock – guter Stoff, edel verarbeitet | mema

  8. Pingback: MMM – Korallen / Röcke aus Dekorationsstoff | mema

  9. Pingback: MMM – im Kronleuchterrock | mema

  10. Pingback: MMM im Lampenrock zum Markt | mema

  11. schildkroete

    Das ist ja eine tolle Anleitung! Das mit dem Gummiband und dem Lot zur Anprobe ist ja genial, hab´ich noch nie gesehen und werde ich mal ausprobieren. Schöner Rock mal wieder, der Stoff ist ja klasse.
    Herzliche Grüße
    Sabine

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.