Die Sache mit der chaneligen Jacke

2011/12 habe ich mit nichtbloggenden Nähfreundinnen in Bielefeld Jacken im Chanelstil genäht. Gabriella Chanel hat in den 50er Jahren bestimmte Prinzipien benützt um bequeme, alltagstaugliche Jacken herzustellen die das Gegenteil der damaligen Mode waren. Bis heute gibt es diese Jacken. Die haben wir uns zum Vorbild genommen.

2011 hatte ich mich gerade übers Internet in die Welt der Näherinnen eingelesen und war absolut beeindruckt von den Möglichkeiten für sich selbst hochwertige Kleidung zu nähen. Fasziniert war ich auch von den vielen Frauen, die für sich so bequeme, alltagstaugliche Jacken „wie von Chanel“ nähten. Es gab und gibt darüber so viele Anleitungen und Erfahrungsberichte. Die verwendeten Techniken waren so spannend. Nie hatte ich darüber gehört das:
enge Ärmel mit hohem Armloch besonders bequem sein sollten und
Ketten am Saum von Kleidung eine sinnvolle, bemerkbare Funktion hätten, das Jackenfutter und Oberstoff mit regelmäßigen Nähten verbunden zu einem besonderen Tragegefühl führen sollten (heute würde ich das quilten nennen) usw.

Leider sind viele dieser Jacken in meinen Augen nicht besonders schön. Wahl von Stoff und Dekoration entsprechen nicht dem was ich gerne trage. 2011 ist es mir aber gut gelungen meine Ansprüche an das Aussehen mit der Übernahme von chaneligen Techniken zu verbinden. Ich bin übrigens ganz sicher, das G. Chanel auch nur auf den Schultern anderer Schneider und Schneiderinnen stehen ihre unverwechselbaren Jacke und Kostüme entworfen hat.

Meine alte Jacke (hier die Beschreibung der Herstellung) ist aus reinem, etwas dickem Wollstoff mit Wildlederkanten abgesetzt und einem Reißverschluss. Die Taschen sind auf die Größe meines Geldbeutels und meines Handys abgestimmt. Als Futter habe ich irgendwas aus der Stoffrestetruhe genommen. Die Ärmel haben glänzenden Futterstoff bekommen, der Jackenkörper besteht aus einem anderen, matteren Stoff. Ich denke heute, dass es Inlettstoff (Stoff für Federkissen, dicht gewebt damit die Kiele der Federn nicht durchstoßen) ist. Hier ein Glücksgriff denn die Jacke ist weich und bequem aber überraschend winddicht. Beim Zusammennähen des Futters mit der Hand hatte ich deshalb aber Mühe. Die Kette für den Saum habe ich in der Badabteilung des Baumarktes bekommen. Das Schnittmuster für die Jacke ist Simplicity 2284/7505, jetzt vergriffen.

Meine erste Jacke von 2011 hat im Kleiderschrank überlebt. Sie wird immer noch getragen und besonders im Frühjahr liebe ich sie sehr. Allerdings ist sie etwas in die Jahre gekommen und schon länger habe ich den Wunsch eine weitere zu nähen. Stoff dazu liegt schon lange hier.

Anfang des Jahres, während des Sturmtiefs, Sabine standete Tily von Frl.-Ideal bei mir in Bielefeld und bei einem gemeinsamen Mittagsimbiss verabredeten wir eine Aktion. Wir nähen jetzt jeder eine Chaneljacke!! Beide haben wir schon länger Stoff und an Schnittmustern und Informationen über die Herstellung herrscht auch kein Mangel.

Ich könnte auf meinem alten Schnitt (perfekt angepasst) zurückgreifen aber das ist ja langweilig. Jetzt werde ich Vogue 8804, einen Claire Shaeffer Schnitt nehmen. Die erste Gewinnerin des Great British Sewing Bee, Ann Rowley, hat diese Jacke schon mal genäht und eine hilfreiche Fotofolge auf Flickr hinterlassen.

Los gehts!!

Grün in den Frühling

Bislang war der Inhalt meines Kleiderschranks weitestgehend frei von grünen Kleidungsstücken. Das wird sich jetzt schnell ändern. Im letzten Sommer haben mir meine Nähfreundinnen grüne und graue Wolle geschenkt um damit am Westknits Mystery Shawl KAL 2019 teilnehmen zu können. Das Strickmuster heißt Starflake. Eine in mehrfacher Hinsicht interessante Herausforderung: Neben der für mich ungewöhnlichen Farbe grün wird ein zentraler Teil des Tuches in mehrfabigem Patent mit verschiedenen Zu- und Abnahmen gestrickt. Patent kann ich, mehrfabiges Patent geht so gerade noch wenn ich beim stricken konzentriert bleibe aber wenn es dann um Zu- und Abnahmen geht …………………

Nach verschiedenen Versuchen und Ribbelorgien habe ich jetzt ein Probeteil (Clockwork, auch von Stephen West) auf der Nadel. Zweifarbiges Patent und regelmäßige, nicht ganz so komplizierte Zunahmen. Keine Abnahmen!

Ich werde diese Herausforderung meistern und wenn es 2 Jahre dauert.

Beim Stricken kreisten meine Gedanken natürlich auch um das fertige Teil und wozu ich es wohl tragen könnte (und schon wieder ein Fehler im Strickteil!) Schwarz geht, grau geht aber etwas mehr Variation hätte ich schon gerne. Ich habe also meinen Stoffschrank inspiziert und alle grünen Stoffe herausgeholt und zusätzlich noch ein paar Schnäppchen getätigt.

Zwei Hemden/Blusen habe ich genäht.
Bewährter Schnitt und gut angepasst:
Hermes (Schnittmusterbesprechung) von Iam

Und dann noch einen dünnen Pulli LB von Paper Theorie Patterns

Am Ende gab es noch ein Wintershirt nach meinem vor langer Zeit angepassten T-Shirt Schnitt. Hier werde ich wohl den Ausschnitt noch etwas erweitern.

Da gibt es noch einige Stoffe auf dem Stapel im Nähzimmer:

Für diesen Stoff plane ich einen Rock mit dekorativem Reißverschluss. Eine der russischen Seiten hat mir dafür die Inspiration geliefert. Den Schnitt werde ich aus meinem Basisschnitt für Röcke entwickeln.

Und für diesen Stoff plane ich ein Osterkleid.

Mein Tweedkleid, entstanden bei einem Sew Along, organisiert von Yvonne und Monika im September 17, trage ich sehr gerne. Dieses Grüne hier soll etwas einfacher geschnitten sein, ehr ein Hängerchen mit aufgesetzten Taschen. Auch da habe ich mich noch für keinen Schnitt entschieden. Das Cielo Dress von Closet Case kommt meinen Vorstellungen schon nahe.

Und dann ist da noch der Plan gemeinsam mit anderen noch eine chanelige Jacke zu nähen. Aber davon ein anderes Mal.

Upcycling – Olya Shirt / Paper Theory

vom alten Leinenbettlaken zum Hemd

In die Aussteuer habe ich eine größere Menge Bettlaken aus weißem Leinen bekommen. Manche verwende ich als Gardinen oder Tischdecken für die Biergarnituren bei unseren Sommerfesten, einige habe ich schon vor sehr langer Zeit zusammengenäht und sie werden als Laken und dünne Sommerbettdecken verwendet. Ganz allmählich werden diese in der Mitte dünn und neulich ist ein Laken sogar gerissen! Ich liebe diesen seit Jahrzehnten genützten und hunderte Male gewaschenen Stoff. Also habe ich ein Hemd für mich aus den Resten genäht.

Olya (Schnittmusterbeschreibung) ist ein Schnitt von Paper Theory mit einer besonderen Ärmellösung:

Interessant zu nähen, gut zu tragen und für diesen etwas derben Leinenstoff sehr geeignet. Und weil es sich um Bettlakenstoff handelt habe ich mich auf die Suche nach alten / uralten Wäscheknöpfe gemacht. Ich habe im Knopfkasten noch solche die etwas angerostet sind. Neu konnte ich sie aber auch noch kaufen:

Das sind Zwirnknöpfe. Es gibt Handwerkerinnen die diese alte Kunst der Knöpfeproduktion wiederentdeckt haben und wunderbare Sachen damit machen.

Vor einiger Zeit habe ich den Olya Schnitt schon mal genäht, aus härtlicher Wildseide. Das klingt luxuriöser als es ist. Der Stoff kratzt und hat bei den ersten Wäschen gestunken, wegen des Seidenleims. Oben auf dem Bild mit der technischen Zeichnung sieht man ein kleines Stück des Seidenstoffs. Der Schnitt selber hat mir aber gut gefallen. Jetzt könnte der Frühling kommen damit ich das Hemd nicht mehr unter Jacken verstechen muss.

Schnittmusterbeschreibung Olya Shirt von Paper Theory

Olya Schnitt für ein Hemd bzw ein Hemdkleid. Alle klassischen Merkmale sind vorhanden: Hemdkragen mit Steg, Ärmelmanschetten mit Falten, abgerundeter Saum, Brusttaschen …
Der besondere Dreh entsteht durch die spezielle Ärmelführung im Vorderteil und die eingesetzten Taschen:

Verwendeter Stoff:
Verwendet habe ich alten Leinenstoff für das eine und grobe Wildseide für das andere Hemd.

Anleitung:
Die englische Anleitung ist sehr ausführlich und auch schwierige Schritte sind gut bebildert.

Größen:
Das firmeneigene Größenschema geht von 6 bis 20.  Die größte Größe arbeitet mit 113 cm Brustumfang, das fertige Hemd hat dann 141 cm Brustbreite. Guter Servis, das sowohl die Körpermaße als auch die Maße des fertigen Stückes aufgeführt sind. So etwas möchte ich bei allen Schnittmustern sehen.

Verarbeitunghinweise:

Ich habe nach Anleitung genäht. Hier wir die Overlock zum Versäubern vorgeschlagen. Das macht bei vielen Nähten auch Sinn. Nur die Seitennaht hat eine Kappnaht bekommen. Beim weißen Hemd habe ich die Knöpfe an den Brusttaschen weggelassen und die Eingriffe nur mit kurzen Steppnähten rechts und links gesichert.

Fazit:
Ein weites, bequemes Hemd! Im Sommer sicher gut auch als leichte Jacke zu tragen. Der Schnitt hat mir keine Schwierigkeiten bereitet. Ich empfehle den ihn.

Schnittmusterbeschreibung Rock dp studio LE 401

le401 ist ein Rockschnitt der pariser Firma DPStudio, schon etwas älter und nicht mehr erhältlich. Mir ist er aber als wunderbar schräg in Erinnerung geblieben. Vor einiger Zeit hatte ich mich schon mal an ihm versucht und war gescheitert. Jetzt hat es geklappt. Der Rock hat was von Kellnerschürze aber auch bravem, glockigen Rock oder Rockerkleidung. Je nachdem von welcher Seite er präsentiert wird. Es ist ein Wickelrock mit breitem Übertritt.
Die Firma schlägt vor, das der Rock auch vorne offen getragen werden kann, so wie oben auf dem linken Bild.
Und der Schnitt kann verwendet werden um einen weiten oder auch einen engen Rock herzustellen. Dazu müssen die jeweiligen Teile einfach verdoppelt und dann angepasst werden.

Verwendeter Stoff:
Für den linken Rockteil, die enge Rockhälfte habe ich Kunstleder gewählt, links schwingt ein dünnerer Wollstoff mit zarten, eingewebten Streifen.

Auch der Bund nimmt diese Zweiteilung auf. Der enge, kunstlederne Teil sitzt etwas höher in der Taille

Der Wickelrock ist vollständig gefüttert. Der breite Übertritt mit Wollstoff, für den Rest habe ich Seidenfütter verwendet.

Anleitung:
Es gab den Schnitt in englischer und in französischer Sprache und nur als Papierversion. Ich habe nach der englischen Anleitung gearbeitet und die ist ausführlich und vollständig. Es gab keine Probleme mit der Anleitung aber mit der Umsetzung am Rockbund, beim Saum und beim Futter. Ich hatte etwas Mühe zu verstehen was gemeint ist. Danke an Sybille . Sie hat den Rock schon genäht und mir geholfen.

Größen:
Das firmeneigene Größenschema geht von 36 bis 48.  Die größte Größe arbeitet mit 91cm Taillenumfang, ich brauche 100 cm. Also habe ich den Schnitt um zwei Größen verbreitert. Bei Mehrgrößenschnitten geht das ja sehr gut.

Verarbeitunghinweise:

Auch bei diesem Rock habe ich trotz der Hilfe von Sybille am Ende Mühe gehabt.
Für den glockigen Teil des Rockes habe ich einen Stoff gewählt der sich da heftig auslängt, wo er quer zum Fadenlauf geschnitten ist. Der Rock musste also aushängen.
Und danach ist mir die Anpassung an meinen Körper schwer gefallen. Normalerweise nähe ich das Rockbündchen zuletzt. Ich fixiere den fast fertigen Rock mit einem Gummi in der Taille und entscheide so über den Sitz des Rockbundes. Wegen der besonderen Konstuktion ging das hier aber nicht. Den Saum des Kunstlederteils hatte ich schon gesäumt bzw geklebt. Er sollte die Orientierung sein. Mehrfach habe ich den anderen Teil abkreiden lassen. Immer wurde er schief. Dann ist meiner Nähfreundin aufgefallen, das der Kunstlederteil völlig schief und deshalb als Ansatzpunkt nicht tauglich war. Also wurde auch diesen Teil aufgemacht, abgekreidet und neu geklebt. Danach lief es dann.
Meine Taille ist nicht waagerecht!! Ich weiß das, hatte es hier aber nicht berücksichtigt. Balancelehre!! Hier gut erklärt von SewingGalaxy und auch von Beschwingtes Allerlei.

Fazit:
Ein weiteres schräges Teil von DP Studio. Je länger ich mich mit dem Rock beschäftigt habe umso mehr mochte ich ihn. Er ist ein wunderbares bisschen provokativ. Die Herstellung hat mir trotz oder wegen der Probleme spass gemacht und ich werde ihn tragen.